OdF-Ausschüsse

Wilhelm Tichauer, Überlebender des KZ Auschwitz bei einem OdF-Ausschuss, der zum Sozialamt gehört. Berliner VVN-BdA

Gegner und Verfolgte des NS-Regimes, Überlebende der KZ und Haftstätten beteiligten sich seit den ersten Stunden nach der Befreiung am politischen Neuanfang in Deutschland. Seit Sommer 1945 wurden auf Anordnung der Alliierten in zahlreichen Städten aller vier Besatzungszonen „Ausschüsse für die Opfer des Faschismus (OdF)" gegründet und den Stadtverwaltungen angegliedert, sie waren Behörde und politisches Vertretungsorgan der ehemals Verfolgten zugleich. Neben Sozialfürsorge und Beratung für die Überlebenden und den Hinterbliebenen leisteten die OdF-Ausschüsse Aufklärungsarbeit über das NS-Regime, fahndeten nach NS-Verbrechern und organisierten politische, kulturelle und Gedenkveranstaltungen. Mit ihrem Engagement drückten die ehemals Verfolgten ihren politisch-moralischen Führungsanspruch beim demokratischen Neubeginn aus. Bald aber brachten die politischen Aktivitäten die OdF-Ausschüsse in Konflikt mit den Besatzungsbehörden, die ihre Betätigung auf Betreuungsaufgaben begrenzen wollten. Daher drängte es die ehemals Verfolgten zu einer unabhängigen Organisation. Seit 1946 gründeten sich in allen Besatzungszonen Kreis- und Landesvereinigungen der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN).