Adolf Wiegel

geb.: 25. Juni 1882, Berlin
gest.: 8. April 1945, Sonneberg/Thüringen

Wohnort: Köpenicker Straße 34, Kreuzberg

Der Bankkaufmann Adolf Wiegel engagiert sich von 1903 bis 1907 für die SPD. Wegen Meinungsverschiedenheiten zieht er sich aus der Politik zurück. 1915 gründet er eine Buchbinderei und Druckerei, die zuletzt in der Köpenicker Straße 115 ansässig ist. Seine Frau Frida ist Geschäftsführerin in der Bürobedarfsfabrik ihres Mannes, wo sie seit 1940/41 ca. 30 jüdische Hilfsarbeiter beschäftigt. Das Ehepaar hilft verfolgten Juden und druckt gefälschte Werksausweise für Untergetauchte. Adolf Wiegel unterstützt die von Werner Scharff nach dessen Flucht aus dem Ghetto Theresienstadt gebildete Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“. Am 12. Oktober 1944 nimmt die Gestapo das Ehepaar wegen des „Verdachts auf Hochverrat und Judenbegünstigung“ fest. Adolf Wiegel kommt in das „Arbeitserziehungslager“ Wuhlheide und am 24. März 1945 auf Transport in Richtung KZ Dachau. Wegen fehlender Verkehrsmittel wird der Transport zu Fuß fortgesetzt. Als der „Todesmarsch“ am 8. April nahe Sonneberg in Thüringen ist, erschießen SS-Angehörige den 62-jährigen entkräfteten Adolf Wiegel und verscharren den Leichnam in einem Massengrab am Straßenrand.

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Adolf Wiegel
Literatur und Gedenkzeichen

Eugen Herman-Friede: Für Freudensprünge keine Zeit. Erinnerungen an Illegalität und Aufbegehren 1942–1948, Berlin 1991 (5. Aufl. 2002).

Adolf und Frida Wiegel werden 2005 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

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